r Teenage Sex and Death at Camp Miasma
Jane Schoenbrun, GB, USA, 2026o
Nach Jahren liebloser Fortsetzungen und schwindender Fanbasis wird das Slasher-Franchise Camp Miasma einer ambitionierten jungen Regisseurin zur Wiederbelebung überlassen. Als sie den einstigen Star der Originalfilme besucht, eine mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin, die von Geheimnissen umgeben ist, geraten die beiden Frauen in eine blutgetränkte Welt voller Begehren, Angst und Wahnvorstellungen.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist ein ebenso blutiger wie kluger Film über die Faszination von Teenager-Horrorfilmen. Die nonbinäre Jane Schoenbrun erzählt von Kris, einer queeren jungen Filmemacherin, die eine einst erfolgreiche Filmreihe neu beleben soll. Den Produzenten geht es dabei vor allem um ein zeitgemässes Image; Kris selbst verbindet mit dem ersten Teil jedoch eine prägende persönliche Erinnerung. Für den neuen Film sucht sie Billy auf, die Hauptdarstellerin des Originals. Diese lebt zurückgezogen auf dem ehemaligen Drehgelände, einem Ferienlager, und trägt die Folgen ihrer damaligen Erfahrung sichtbar mit sich. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine intensive Beziehung: Die nüchterne, verkopfte Kris trifft in Billy auf eine Frau, die sich dem Chaos, den Ängsten und den Freiheiten des Lebens längst gestellt hat. Die Schauspielerinnen Hannah Einbinder und Gillian Anderson machen dieses Zusammenspiel zum Kern des Films. Zugleich zeigt Schoenbrun mit viel Lust an blutiger Übertreibung, warum solche Filme gerade junge Menschen anziehen können: Sie erlauben es, Angst, Begehren, Gewalt und Kontrollverlust in einem geschützten Rahmen zu erleben. Besonders stark ist die Vorstellung, dass Filme nicht einfach von Menschen hergestellt werden, sondern mehr von ihnen freilegen, als die Menschen bewusst hineinlegen. Kris sagt das so: «Am Grund des Sees hat es ein Loch. Aus dem kommen die Filme.» Teenage Sex and Death at Camp Miasma verteidigt keine billigen Massenprodukte, sondern das Publikum, das in überdrehten, verbotenen und sogenannt geschmacklosen Filmen etwas für die eigene Entwicklung finden kann.
Michael Sennhauser
