r Mektoub, My Love: Canto Uno

Abdellatif Kechiche, Frankreich, 2017o

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Frankreich, 1994. Amin kehrt vom Studium in Paris in seine Heimatstadt Sète zurück, wo seine Familie ein tunesisches Restaurant betreibt und er Freunde aus Jugendtagen wieder trifft, darunter seinen Cousin Tony und seine beste Freundin Ophélie, die eine heimliche Liebscahft haben. Als der notorische Charmeur Tony einer jungen Urlauberin das Herz bricht, gerät der stille Beoachter Amin zwischen die Fronten. Wie weit wird sommerliche Spiel ums Geniessen und Feiern, Verrat und Liebesschmerz, Ausgelassenheit und Entspannung gehen?

«Mektoub» ist der arabische Ausdruck für eine schicksalshafte Entwicklung und Mektoub, My Love vielleicht der schönste Film des franko-tunesischen Regisseurs Abdellatif Kechiche (La graine et le mulet), der sich seit seinem freizügigen lesbischen Liebedrama La vie d’Adèle wiederholt als filmender Lüstling kritisiert sah – wogegen er sich vehement wehrte, bis ihm ein Hirnschlag im März 2025 ein tragisches Schicksal beschied. Anders als der Regisseur hat sein junges Alter Ego Amin im ersten Teil dieses autobiographisch inspirierten Films nach der Rückkehr vom abgebrochenen Medizinstudium in Paris in seine südfranzösische Heimatstadt Sète noch «alle Zeit der Welt»: die Zeit eines langen Sommers mit Freund:innen aus Kindheitstagen und neuen Bekanntschaften zwischen dem Restaurant seiner Familie und dem Strand, Versuchen als Fotograf und einer ersten Vorahnung der Berufung zum Film, vor allem aber Szenen von Vertraulichkeiten und Lügen, Verlangen und Eifersucht im denkbar alltäglichsten Gewand. Alle Zeit der Welt nimmt sich dabei auch Kechiche, um einzutauchen in die Geschichte des stillen Beobachters Amin und seines Cousins Tony, eines notorischen Schürzenjägers, der eine heimliche Affäre mit Amins engster Kindheitsfreundin hat und das Herz einer jungen Touristin aus Nizza bricht. Warum man dieser drei Stunden des Immergleichen nie überdrüssig wird? Weil das Kino selten so nah am Leben ist wie bei Kechiches obsessiver Suche nach Wahrhaftigkeit. Dies gilt genauso für die Geburt eines Lamms – einer zehnminütigen Auszeit vom Erzählfluss – wie für das ewige Spiel mit Anziehung und Abstossung der Geschlechter in Restaurants, am Strand oder in den allnächtlichen Disco-Infernos mit ihrem Magma berauschter Körper. Kechiche schöpft den Kreislauf von Ausgelassenheit, Entspannung, Ernüchterung und plötzlichen Erkenntnissen mit seinen Figuren aus und verstärkt die Magie des intensiven Augenblicks noch durch ein Paradox. Während der Film von der Suche, vielleicht auch Sucht nach solchen Momenten lebt, spielt seine ewige Gegenwart in der Vergangenheit des Jahres 1994: Wehmut durchzieht das Rauschhafte, alles ist flüchtig und bereits wieder vergangen, nur eine subversive Genugtuung bleibt: Kechiche verleiht den muslimischen Einwanderern, ihren ihren Söhnen und ihren Töchtern jene selbstverständliche Sinnlichkeit, die ihnen das französische Kino nie zugestanden hat. Mektoub!

Émilien Gür

Dazu passen:o

kino-zeit.de, 19.11.2018
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Sight & Sound, 13.04.2018
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Variety, 06.09.2017
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Le Monde, 07.09.2017
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Télérama, 19.11.2018
© Alle Rechte vorbehalten Télérama. Zur Verfügung gestellt von Télérama Archiv
Hintergrundbericht zum Film
/ ARTE
de / 20.03.2018 / 02‘04‘‘

Débat sur Mektoub my love
/ Cinéma Canal+
fr / 25.03.2018 / 11‘28‘‘

Interview des acteurs
/ AlloCiné
fr / 19.03.2018 / 07‘22‘‘

Filmdateno

Genre
Liebesfilm, Komödie, Drama
Länge
180 Min.
Originalsprache
Französisch
Bewertungen
cccccccccc
ØIhre Bewertung6.5/10
IMDB-User:
6.5 (4668)
Cinefile-User:
< 3 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen q

Cast & Crewo

Shaïn BoumedineAmin
Ophélie BauOphélie
Salim KechioucheTony
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Bonuso

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gGeschrieben
Besprechung kino-zeit.de
Beatrice Behn
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Besprechung Sight & Sound
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Besprechung Le Monde
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Besprechung Télérama
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